Neu-Mama-Sein: 4 Monate mit Levi

 

 

Die Monatsdecke ist von Batz Kids, das Mobile um die Zahl herum von Cam Cam Copenhagen. Die Wassermelone ist eine Rassel von Minimarkt und Levis Anzug ist aus Cashmere und von Zara.

Wenn ich auf Instagram zukünftige Mamas und ihre Aufregung über die nahende Geburt lese, versetze ich mich nur zu gern zurück in ihre Lage und spüre plötzlich wieder dieses Kribbeln, diese positive Anspannung, dieses Wechselbad der Gefühle. Wie wird die Entbindung? Ist mein Baby gesund? Wird alles gut gehen? Wie sieht es wohl aus? Und wie wird mein Leben mit Kind?

Ich konnte mir schon immer vorstellen, Mama zu sein. Ich konnte aber nie weiter als an den Tag der Geburt denken. Dass das Baby irgendwie aus einem raus muss: klar. Aber wie wird mein Leben dann weiter gehen? In meinem sonst recht regen Vorstellungsvermögen herrschte pechschwarze Dunkelheit. Und besser wurde es nicht, als der Entbindungstermin überschritten wurde und ich wie eine mit einem ganzen Ozean gefüllte Kugel langsam aber sicher die Nerven verlor. Fünf Tage nach dem errechneten Termin platzte mitten in der Nacht und nach gerade mal einer Stunde Schlaf meine Fruchtblase: Es ging endlich los.

Alter Schwede, es geht wirklich los. Die Wehen setzten zeitnah ein und ich freute mich zu diesem Zeitpunkt noch; machte High Five mit meinem Mann und fand, dass der 6.11.2016 ein genau so schönes Datum wie der 1.November war. Ich hatte zwar Respekt vor der Geburt, aber keine allzu grossen Angst. Denn wie gesagt: Irgendwie müssen die Babies ja raus und das haben schon Milliarden Frauen vor mir geschafft. Ich habe weder Bücher zu dem Thema gelesen, noch einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht. Wahrscheinlich, weil ich meiner Beleghebamme (zurecht) voll und ganz vertraut habe.

16 Stunden später war Levi endlich da. Nach Wehenschwächen, einer abgedrehten PDA, Presswehen aus der Hölle und letztlich einem gerade noch so abgewendeten Kaiserschnitt mit Dammschnitt und Saugglocke legte man mir ein winziges schmales Wesen mit Alien-Kopf auf die Brust und wir weinten im Akkord, bis ich meinen Mann flüsternd fragte: Wie sieht er aus?

Die Antwort: Wie ein kleines Fröschchen. Wir erwarteten, unserem eigenen Genpool entsprechend, ein dickes behaartes Baby, und bekamen ein kahles schmales aber vor allen Dingen kerngesundes Fröschchen, das keinem von uns ähnlich sehen wollte. Es war der schönste Moment meines Lebens.

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Die nächsten Stunden und Tage im Krankenhaus waren unfassbar surreal und auf dieses Ereignis kann einen wirklich nichts und niemand vorbereiten.

Vier Monate später liegt hier  ein doppelt so schwerer kleiner Wonneproppen neben mir, der mich immer wieder frech anlächelt, das Mobile anmeckert, seine ganze Hand in den Mund stecken kann, gerne brabbelt, so gut wie immer vergnügt ist. Der mich nachts nicht schlafen lässt und tagsüber beste Laune hat, der kuscheln liebt wie seine Mama und der mich stets daran erinnert, was das wichtigste im Leben ist.

Ich habe nach der Geburt damit gerechnet, Schmetterlinge im Bauch zu haben, ein Gefühl von Verliebtheit. Weil es doch alle Neu-Mamas immer so sagen oder schreiben. Ich fühlte mich ein Weile lang schlecht, weil dieses Empfinden nicht einsetzen wollte. Jetzt weiss ich es besser, denn ein Baby zu bekommen benötigt gar kein Anfangskribbeln. Es ist automatisch die grösste und bedingungslose Liebe, die gar nicht mehr in Frage gestellt wird. Die einfach da ist und mit jedem Tag, den man länger miteinander zusammen ist, wächst.

Ich würde nicht sagen, dass man einander kennenlernen muss. Aber aneinander gewöhnen. Denn die ersten Wochen sind vor allem eines: Bedürfnisse abarbeiten und dafür sorgen, dass es dem kleinen Wesen gut geht. Füttern, wickeln, schlafen, anziehen, ausziehen, kuscheln und alles wieder von vorne. Es wird ein automatisierter Prozess, über den man gar nicht mehr nachdenkt, obwohl man vorher so viele Fragezeichen im Kopf hatte. Einen Masterplan gibt es nicht und ich glaube, dass es allen Neu-Eltern auf dieser Welt gleich geht. Man wächst hinein in seine Rolle als Mutter und als Vater, das kann man nicht lernen. Man kann nur seinem Instinkt folgen, auf sein Bauchgefühl hören und auf Situationen reagieren.

Ich dachte im Vorfeld auch, dass man das Wunder einer Schwangerschaft, einer Geburt und des eigenen Kindes irgendwann besser realisieren würde, es greifbarer wird. Manchmal, wenn ich ein paar Stunden im Büro war oder Levi auf dem Arm einer anderen Person sehe, denke ich: Kneif mich mal einer, das ist wirklich mein Sohn. Der in meinem Bauch war. Mein Fleisch und Blut. Da kann man mir noch so viel Biologie-Nachhilfe geben, ich raffe es einfach nicht. Kommt es vielleicht später?

Was mich vier Monate schon jetzt gelehrt haben: Das Leben ist kurz, die Zeit rast, Familie ist das Wichtigste auf der Welt und Probleme, die ich kinderlos als Probleme betitelt habe, sind im Nachhinein ziemlich lächerlich. Ich bin in diesen vier Monaten als Mensch gewachsen, ohne mich zu verändern. Es ist vielmehr eine Horizonterweiterung und genau wie mein Sohn lerne ich täglich Neues. Über mich, über ihn, über meine Beziehung, über Prioritäten und Liebe.

Ein Kind zu bekommen ist ein Wunder und eine Herausforderung gleichermaßen und ich freue mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf alles, was in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren so auf uns zukommen mag – auch wenn unser Fröschchen längst nicht mehr wie eines aussieht, sich täglich verändert und wahrscheinlich schon morgen eingeschult wird.

Kommentare

  1. Liebe Jessi,

    wundervolle Worte und ich kann alles unterschreiben und weißt Du was? Es wird immer schöner. Mein Sohn ist jetzt 18 Monate alt und jedesmal erwische ich mich zu sagen „Jetzt mit 6 Monaten ist es perfekt. Jetzt mit 12 Monaten ist es perfekt… usw.“

    Liebe Grüße

    • Eni sagte am

      Haha… haargenau so denke ich auch. Mein Sohn ist vor wenigen Tagen 2 geworden und diese Phase find ich unglaublich goldig. Bis eben dann die nächste kommt 😉

  2. AnAstasia sagte am

    Liebes – sprichst mir von der Seele. Mein Kleiner kam zwei Wochen vor Levi auf die Welt und ich kann dir nur zustimmen. Vor allem die der Aspekt, dass man als Mensch wächst ohne sich zu verändern. Ich bin lange nicht mehr die, die ich vor einem Jahr war, -aber trotzdem noch die gleiche.
    Danke für diesen süßen Text. Anastasia und Kasimir.

  3. Ich bin 25 und werde noch lange keine Mama sein und trotzdem verfolge ich eure kleine Familie liebend gerne 🙂 Danke, dass du uns immer wieder Einblicke in euer Leben gibst. Alles Liebe!

  4. Franzi Lina sagte am

    Ich werde diese Woche Mama. Oder nächste? Und ich lese was du schreibst, nicke, glaube es und verstehe doch kein Wort. Wahrscheinlich ist es eine dieser Sachen, für die Worte nicht ausreichen.
    Im Moment starre ich nur auf die leere Wiege, platze vor Vorfreude, habe eine Heidenangst und bewundere das pechschwarze Loch in meiner Vorstellung über die Zeit „danach“.

  5. Eva sagte am

    Liebe Jessie,
    ein schöner Artikel. Vor allem toll, dass du es schaffst, aus deiner Perspektive zu schreiben ohne belehrend dabei zu wirken. Ich finde nämlich, das sind viel zu viele der ganzen Mutti-Kinderkriegen-Blogposts überall. Da möchte ich immer schon mitten im Text gar nicht mehr weiter lesen. Hier schon.
    Bitte weiter so!

  6. Helena sagte am

    Oh ja, das hast du sehr gut in Worte gefasst! Miya ist jetzt 5 Monate alt, am 01.10. geboren und so langsam komme ich in der Realität an. Es hat sich alles eingespielt und sie ist nicht mehr so wahnsinnig zerbrechlich. Ich hätte nie gedacht, dass ich so extreme Muttergefühle entwickeln würde. Mein Baby würde ich verteidigen wie eine Löwin. Dieser Gefühlsrausch nach der Geburt ist schon Wahnsinn. Schmetterlinge waren es bei mir auch nicht, eher eine Mischung aus Liebe, Sentimentalität, Überforderung, Staunen und ein bisschen Angst vor dieser riesen Verantwortung.

  7. Anna sagte am

    Was für ein schöner Text. Alles Gute Euch. Darf ich fragen, in welchen Krankenhaus Du entbunden hast? LG

    • admin sagte am

      Dankeschön! Ich war im Vivantes in Friedrichshain und wenn man das grausige Essen ausklammert, war alles fein 🙂

      • Katja sagte am

        Ha. Ich war auch im Vivantes Friedrichshain und mit der Geburt ebenfalls ganz zufrieden, aber die Schwestern sind teilweise von der Kategorie hart aber herzlich, finde ich. Toller berührender Text!

  8. Ines sagte am

    Bis ich unseren Krümel das erste mal sehe dauert es noch bis Ende Juli, aber ich kann kaum abwarten ihn (oder vllt doch sie?!) endlich kennenzulernen. Das erste Kind, das erste mal schwanger – noch weniger wie es sein wird endlich zu dritt zu sein, konnte ich mir als Nicht-Schwangere vorstellen wie es ist schwanger zu sein!! Eine Achterbahn der Gefühle und trotzdem dieses innerliche Urvertrauen, dass alles gut werden wird…vor allem aber immer gut zu wissen, dass es uns allen doch irgendwie gleich geht!

    • Schwanger sein ist wirklich noch unvorstellbarer, da hast du recht. Drücke die Daumen für eine schöne Restschwangerschaft!

  9. NataLie sagte am

    Liebe Jessie,
    sehr schöner, persönlicher Post. Meine Tochter kam am 26.11.2016 zur Welt, ebenfalls nach 16 Stunden, mit Dammschnitt und Saugglocke. Ich kann deine Erfahrungen nach der Geburt genau so bestätigen! Wahnsinn 🙂 Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Spaß mit Levi!
    Viele Grüße
    Natalie

    • Ohh das ist tatsächlich sehr ähnlich. Die Leute sagen ja: Man vergisst, wie schmerzhaft das war. Ich würde aber eher sagen, dass man den Schmerz als solchen vergisst, nicht aber, dass er so übertrieben fies war, ne? 🙂

      • Nina sagte am

        Ich glaube, unsere Geburten waren recht ähnlich. Geplatzte Fruchtblase im Bett kurz vor dem Einschlafen, erst super Wehen, aber dann ging es nicht voran, eine nicht korrekt gelegte PDA und am Ende nach 19 Stunden und kurz vor dem Kaiserschnitt ein Dammschnitt vom Feinsten plus Saugglocke. Ich hatte zudem noch einen Arzt auf mir draufhocken, der das Baby runterschob und danach war mein Körper so durch, dass die Plazenta nicht freiwillig hinterher wollte. Alles in allem eine Grenzerfahrung, die ich sicher nicht vergessen werde. Allerdings kann ich mir die Intensität des Schmerzes schon gar nicht mehr vorstellen und war direkt nach der Geburt schon wieder offen für ein zweites Kind. Allerdings nicht sofort, denn erstmal möchte ich die Zeit mit meiner Tochter genießen. Besser als du hätte ich das Mama-Sein nicht beschreiben können. ❤

        • Bei uns war es eine Ärztin, die von oben runter gedrückt hat – ich glaube meine Rippen waren danach geprellt! Aber das hab ich schon wieder ausgeblendet. Und Nummer 2 wollte ich auch sofort 🙂

  10. Cécile sagte am

    … und ein Wimpernschlag später werden sie 7 (!!!) Jahre alt, erklären die Welt, sind selbständig und zu gross um auf deiner Schoss zu sitzen, du kannst sie nicht mehr hochheben und Küsschen darfst du ihnen nur noch in den eigenen vier Wänden geben und trotzdem staunst du noch jeden einzelnen Tag, ab diesem Kind, das deines ist – ein Wunder, ein ganz grosses, wunderbares! Geniesse jeden Tag, die Zeit rennt – ich erinnere mich an L.’s Geburt und unsere erste Nacht, als wäre es gestern gewesen… jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…
    Alles Gute, Cécile

    • Oh Gott ich knutsche direkt weiter ab, so lange es noch geht. Mein Mann sagt immer: Der arme Junge kann sich ja noch gar nicht vor deiner Liebe (und deinen Knutschern) retten, haha!

  11. Kirsten sagte am

    Was für ein toller Post. Ich mag Deine Texte unheimlich gern weil sie so authentisch geschrieben sind. Ich bin gerade in der 14. Woche und auch das erste Mal schwanger. Alleine dieser Gefühlscocktail haut mich schon manchmal um. An einem Tag ist alles wunderbar und ich bin so voller Vorfreude und an anderen Tagen kreist das Gedankenkarusell und man ist sich selber unheimlich. Ich bin wahnsinnig neugierig, was noch alles auf mich als Frau und auf uns als Paar zukommt. Vor allem aber bin ich sehr dankbar dafür, dass alles bisher so gut geklappt hat und es mir gut geht denn leider weiß ich aus dem Bekanntenkreis, dass dies nicht immer der Fall ist. In den nächsten spannenden Wochen verfolge ich weiterhin mit großer Freude Journelles und – aus gegebenem Anlass aktuell noch lieber – Mini Journelles. Mach weiter so 💖

    • Ich wünsche dir alles Liebe! Für mich war es auch eine Rieeeeesenerleichterung, nach der 13.Woche gute Untersuchungsergebnisse zu haben. Die Schwangerschaft allein ist so was Besonderes… ich will jetzt schon wieder 🙂

  12. Lisa sagte am

    Ja……. <3 mir ging und geht es auch so- dieses Wunder! Und bei jedem Kind wieder. Und wenn dann plötzlich eine selbstständige Person vor einem steht, mit eigenen Meinung und Gedanken ( war sie nicht gerade noch in meinem Bauch? ) IRRE! Und laut meiner Mutter kann man dieses Wunder auch nach 38 Jahren noch nicht so recht glauben… hach … life

      • Danke für diesen schönen Text! Mein Sohn kam auch später als errechnet – das waren die längsten acht Tage meinen Lebens! 🙂 In den ersten Monaten als Mama musste ich dann immer wieder den Baby-Bild-Ordner auf dem iPhone zurückscrollen, um zu realisieren, wie schnell und wie sehr er sich schon verändert hat. Irgendwie kommt das Hirn da nicht so recht hinterher.

  13. Marie sagte am

    Liebe liebe Jessie,

    DANKE. Unsere Söhne sind genau 4 Wochen auseinander, Moritz wird nun 5 Monate. Unserer Geburtsablauf ähnelt sich so so sehr. Ich habe etwas gebraucht, um die Saugglocke zu verdauen und solche Texte wie deine besänftigen mich immer wieder und lassen mich kurz ein paar Tränen verdrücken. Aufgrund von Dankbarkeit hier ein gesundes (!) dickes Wunder liegen, schreien und quietschen haben zu dürfen 😉

    Alles alles Liebe euch!
    Marie

  14. CHARLOTTE sagte am

    Hach Jessie, du bist mir wirklich die liebste und sympatischste Bloggerin!! Toller Artikel, vor allem ehrlich und nahbar geschrieben, trotzdem machst du mir genau deshalb keine Angst vor der Geburt. Bin jetzt in der 25. Woche und ja, die Zeit rast ja jetzt schon. Bin abwechselnd aufgeregt und voller Vorfreude auf alles was kommt und wünsche dir weiterhin alles Gute! Bleib wie du bist und mach weiter so <3

  15. Frauke sagte am

    5 Wochen vor Stichtag lese ich deine Worte mit Kribbeln im Bauch und Pippi in den Augen. Danke fürs Teilen, liebe Jessie. xx

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