Reisen mit Babies: Unser Lissabon-Trip

Man sagt ja immer, dass Kinder ein Leben grundlegend verändern. In unserem Fall stimmt es (noch) nicht, denn wir haben viel Glück mit unserem Sohn, der sehr unkompliziert ist. Natürlich haben sich Dinge verändert: Unsere Nachtruhe, die Tagesabläufe, Prioritäten, die Glückshormone. Aber wir haben Levi bislang ohne Probleme in unseren Alltag integrieren können – selbst Reisen sind möglich. Anders, aber möglich.

Im Februar waren wir bereits in Mexiko, vorher in Paris. Jetzt stand die nächste Flugreise ins Haus: ein City-Trip nach Lissabon mit unseren besten Freunden, die zwei Kinder im Alter von 3 Jahren und 8 Monaten haben. Wie wir die Reise gewuppt haben?

Wir haben uns ein Airbnb-Apartment mitten in Bairro Alto gemietet. Ganz ursprünglich, im portugiesisch gemütlichen Stil, mit zwei Schlafzimmern und einem Wohnzimmer samt kleinem Garten auf der ersten Etage.

Zusammen sind wir schon häufiger verreist, aber zu siebt in einem Apartment war eine Premiere. Es war die allerbeste Entscheidung, nicht ins Hotel zu gehen, denn so konnten wir morgens alle zusammen im Bett liegen, die Kinder miteinander spielen, der Tag wurde gemütlich geplant und gemeinsam gestartet. Ein kreatives Chaos, denn irgendein Kind schreit immer, hat die Windeln voll, will getragen, bespaßt oder gefüttert werden – jeder hat für jeden alles gemacht.

Abends saßen wir dann noch lange im Schlafanzug auf der Terrasse, während die Kiddies gepennt haben – die Babyphones natürlich immer im Anschlag.

Wir waren keine 20 Minuten da – der liebe Airbnb-Gastgeber hatte uns gerade einen Überblick über die Wohngegend mithilfe eines Stadtplans verschafft, das beste Fischrestaurant um die Ecke empfohlen (es war das Beste, wir waren drei Mal dort!) und uns zwei köstliche Rotweine geschenkt – und wir fühlten uns schon ganz wie zuhause.

Unser Airbnb-Apartment

Die Nachbarschaft

Ein kleiner Garten in der 1.Etage

Um die Ecke beim Franzosen

Der Blick aus dem Apartment

Lissabon stand schon lange auf meiner City-Trip-Liste und ich bin froh, dass wir gemeinsam mit unseren lieben Freunden unterwegs waren. Wie immer auf Reisen habe ich die Reiseleitung übernommen, mir einen Überblick über die Stadt verschafft, gute Cafés, Restaurants und Must-Sees rausgesucht und die wilde Meute dann mit Hilfe von Google Maps ans Ziel geführt.

Mal abgesehen von meinem stets aufgebrauchten Datenvolumen hat alles bestens funktioniert – und das, obwohl Lissabon die Kinder-unfreundlichste Stadt überhaupt ist! Denn das stand nirgendwo: Dass man mit dem Kinderwagen einfach nirgendwo hinkommt. Es geht bergauf, bergrunter, das Kopfsteinpflaster ist die Hölle, lauter Stufen stellten sich uns schon bei der Anreise in den Weg. In die entzückenden Cable Cars aus San Francisco passt natürlich kein Kinderwagen und selbst die Busse sind eher Mini-Vans. Die Cafés sind klein und eng, ohnehin hat man einfach wenig Platz.

Ihr hättet mal die Gesichter der anderen Menschen sehen müssen, als wir die Kinderwagen durch die Stadt geschoben haben, haha! Anderen, rar gesäten Eltern grüßte man unterwegs mitleidig und erkundigte sich, welchen Buggy sie für das raue Pflaster gewählt haben.

War natürlich alles halb so schlimm, wir mussten die schweren Babies einfach in die Trage nehmen, die lauffaule 3-jährige zum schlendern animieren und sind uns täglich die Füße wund gelaufen, um möglichst viel zu entdecken.

Roof Topping

Sightseeing!

Möwenschau

Hello, Kristof!

Café de Garagem

Paradedisziplin Warten

Jacaranda-Bäume

Hot couple alert

Unterwegs mit einem Baby – Meine Tipps

Jede Familie entwickelt seine eigenen Rituale und ich glaube, ich brauche den Mamas und Papas da draussen kaum eine To-Do-Liste schreiben, was man alles dabei haben sollte. Aber da ihr gefragt habt: Das war in unserer „Wickeltasche“, die wir jeden Tag mitgeschleppt haben, wenn Levi in der Trage war:

Sonnencreme für Babies. Mulltücher – für alles, meistens zum Sonnenschutz. Wechselkleidung. Windeln, Feuchttücher, Wickelunterlage. Taschentücher. Was Warmes zum Drüberziehen. Ein Fläschchen für Wasser, Fruchtbrei + Plastiklöffel + Lätzchen + seeeeehr viele Taschentücher. Immer eine kleine Plastiktüte dabei haben – wenn man Wechselkleidung luftdicht verpacken muss 😉

Und die ewige Frage: Haben wir was vergessen? Aber: Lissabon ist ja nicht der Mond. Im Zweifel kann man ja auch in den Supermarkt gehen.

Tauben fangen

Die schönsten Fassaden

Was uns beim Elternsein bislang sehr geholfen hat, ist Gelassenheit. Egal, in welche Situation man gerät: Ist halt eben nicht zu ändern, wir machen das Beste draus. Mein Lieblingsbeispiel: Wir kommen gerade im Hipster-Café Hello, Kristof! an, haben bestellt, endlich einen Platz bekommen und wollen nach einem anstrengenden Morgen in typischer „wir haben 3 Stunden gebraucht, um das Haus zu verlassen – wo verdammt noch mal ist mein Kaffee“-Manier gerade essen, da geht die Verdauung meines Sohns so richtig los. Das Ergebnis seht ihr nebenstehend auf meiner Wickelbluse.

Das 5-Quadratmer-Café wurde kurzerhand in einen Waschsalon verwandelt. Und ich denke im Nachhinein, dass es auch wirklich viel zu langweilig gewesen wäre, wieder nur ein Avocado-Brot zu futtern.

Santa Maria de Bélem

Best daddies!

This view!

Aperitivo Time

Lissabon Coffe-to-go

Die gekachelten Fassaden!

Es folgt natürlich noch mein Reise-Guide auf Journelles mit allen Adressen.

Stellt sich am Ende die Frage: Würden wir es wieder machen? Oh ja, und zwar ganz genau SO. Reisen mit Kindern ist anstrengend, Städtetrips um so mehr. Aber die tolle Zeit, die Erinnerungen und Erlebnisse bleiben für immer. Und die Erkenntnis: Uns wird nie wieder langweilig sein, egal, wohin wir fahren.

Kommentare

  1. Jördis sagte am

    Hallo Jessie,
    ich finde es gut, dass du beschreibst, wie lohnenswert eine Städtereise mit Kindern ist. Mit unserem Sohn haben wir es genauso gemacht. Als er drei war, sind wir zum Beispiel für ein paar Tage mit ihm nach Dublin gefahren (es war großartig!), als er fünf war nach New York (das ist seitdem seine Lieblingsstadt) und als er sieben war nach London. Er erzählt heute immer noch von den Reisen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern sich und ihren Kindern zu wenig zutrauen. Vielleicht einfach mal ausprobieren! Inzwischen haben wir eine Tochter, die eineinhalb ist, und mit ihr werden wir es genauso machen!

  2. Liebe Jessie, verrätst du evtl. jetzt schon welches Fischrestaurant das beste war oder kannst du schon verraten wann dein Guide kommt? Wir fliegen bald nach Lissabon und würde natürlich allzugerne deine Tipps im Gepäck haben.
    Herzlichst, Evelyn

    • jessie sagte am

      Huhu, na klar: Churrasqueira da Paz, ist aber wirklich ganz basic, da gehen die ganzen Einheimischen hin. Mit laufenden Fernsehern und Papiertischdecken 🙂 Aber dafür eben auch sehr gut und das Highlight der Nachbarschaft!

  3. Susanne sagte am

    unser Vorsatz vor dem Kinderkriegen war, daß uns das auf keinen fall einschränken soll. natürlich ändern sich manche dinge, aber gerade beim reisen haben wir bislang keine Kompromisse gemacht. manchmal kommen absurde fragen auf wie „müssen die kinder in Venedig den ganzen tag mit Schwimmweste rumlaufen?“ (natürlich nicht)
    es hilft, eine gute trage zu haben (wir schwören auf den ergo-carrier) mit dem man auch die 3-jährige noch bequem auf dem rücken tragen kann, wenn sie keine lust mehr hat, Südafrika zu fuss zu erkunden.
    oder dann doch noch mal den buggy aus dem Keller zu holen,den man eigentlich zu hause längst nicht mehr braucht, weil das viele laufen durch eine Stadt irgendwann zu anstrengend wird und es außerdem super-praktisch ist, wenn man wasserflaschen, snacks und die shopping-erfolge nicht schleppen muss.
    wir haben auch sehr gute Erfahrungen mit Airbnb gemacht. hotel ist mit kind (wir sind auch ohne kind nicht so hotel-affin) lange nicht so entspannt wie ein apartment/ferienwohnung.
    frohes reisen weiterhin!

  4. Juliane sagte am

    Die Bilder sehen traumhaft aus, Lissabon ist ein echtes Sehnsuchtsziel!
    Aber sag mal: das weiße Kleid, das Du da öfter anhast, wo hast Du das denn her? Sieht einfach toll aus!

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